Suchthilfe-afrikanisch - ein nachdrückliches Erlebnis

Suchthilfe-afrikanisch - ein nachdrückliches Erlebnis

Suchthilfe nach neuestem Standard doch unter für uns ungewöhnlichen Begebenheiten.

Im Februar 2019 hat „Hope and Beyond“ nahe der Hauptstadt Kampala, ein vorübergehendes Behandlungscamp ausgerichtet, das von FORUT mitfinanziert wurde.

Anlässlich unseres Besuchs in Uganda hatten wir Gelegenheit, sowohl einen Teil der Vorbereitungen als auch das Camp selbst mit zu erleben. Das Camp wurde vorab bei einer Live-Sendung in Radio Maria, einem katholischen Radio-Sender, beworben. Wir durften Gast dieser Sendung sein und wurden um einen Beitrag gebeten. Die katholische Kirche begegnete uns in Uganda auf Schritt und Tritt und Radio Maria ist als katholischer Radiosender Uganda weit verbreitet.

In der Telefonschaltung mit Hörern begrüßten diese das Engagement ausdrücklich und wünschen sich, dass solche Camps auch draußen auf dem Land stattfinden. Das Thema Alkoholismus hat in Uganda eine große Relevanz, die Menschen suchen händeringend nach Hilfsangeboten.

Dr. Kalema und sein Team leisten hier offensichtlich Pionierarbeit. Eine Aufzeichnung der Sendung wurde am folgenden Samstag, komplett wiederholt und Sonntags wohnten wir einem Gottesdienst in der Gemeinde bei, in der am nächsten Tag das Camp beginnen sollte.

Dr. Kalema hielt ein Grußwort und bewarb das Camp. Dabei waren gut 500 Menschen anwesend und wir wurden namentlich als Sponsoren willkommen geheißen. Zeitgleich besuchten 8 Ehrenamtliche von Hope & Beyond weitere Gottesdienste im Umfeld des Camp und bewarben dieses ebenso wie die Rehabilitationsarbeit von Hope & Beyond. Noch während der Verstaltung beobachteten wir, wie eine Sängerin des Kirchenchores offensichtlich die Telefonnummer mit David austauschte. Später erkannten wir, was bei Afrikanern nicht so einfach zu erkennen ist, die Frau hatte ein „blaues“ Auge und suchte Hilfe für sich bzw. ihren Mann. Unmittelbar nach dem Gottesdienst ergaben sich weitere Gespräche mit den Besuchern, immer zum Camp und dem Thema Alkohol, welches in Uganda noch stark tabuisiert wird. Ein Mann, offensichtlich aus gutsituierten Verhältnissen, spendete spontan Geld an David und bot Unterstützung an. Im Gespräch mit seiner Frau stellte sich heraus, dass er ein hoher Bankmitarbeiter ist und seinen Leistungsdruck immer wieder durch Alkohol zu lindern versucht, was ihm natürlich nicht gelingt, aber zunehmend zu Spannungen in der Familie führt. Es war der menschliche Druck unmittelbar spürbar, der auf dieser Frau lag und die Dankbarkeit mit jemandem ohne Gesichtsverlust darüber sprechen zu können.

Am frühen Sonntagabend begleiteten wir David und Richard Yiga, einen Journalisten im Ruhestand und Mobilizer für das Camp. Er stellte den Kontakt zum Ortsbürgermeister her, den wir besuchten. Anschließend besuchten wir noch einen Treffpunkt für junge Menschen, zumeist Männer, häufig selbst Konsumenten und abhängig von Drogen. Auch hier wurde das Camp beworben. Da es kostenfrei angeboten wurde, war es gerade für Mittellose, eine echte Chance zu einem neuen, drogenfreien Weg.

Hier wurde Arbeit an den Wurzeln der Gesellschaft geleistet. Die Helfer gingen dorthin, wo die Betroffenen leben. Wir waren tief beeindruckt, auch weil dies kein Ort war, wo sich ein normaler Tourist freiwillig aufhalten würde.

In der folgenden Nacht, als Gäste in Davids Haus, wurden wir durch Lärm geweckt. Er erzählte uns am Morgen, dass dieser Lärm von seinem Nachbarn stammte. Auch dieser hat massive Alkoholprobleme und David wurde immer wieder von der Ehefrau oder anderen Nachbarn angesprochen, wie Hilfe möglich sein könnte. Mittlerweile waren wir sehr gespannt, was uns an den kommenden Tagen im Camp erwarten würde.

Auf Grund der Zusammenfassung von Dr. Kalema, beschränken wir uns auf unsere persönliche Eindrücke. Wir hatten Zugang zu allen Bereichen, und durften sogar die ärztliche Visite begleiten. Diese zog sich auf Grund der Vielzahl der Patienten über Stunden hin. So hatten wir einen ganz unmittelbaren Eindruck von den Klienten. Sahen, wie sie zur Entgiftung am Tropf lagen, zum Teil körperlich am Ende, nicht ansprechbar. Daneben ein Verwandter, Mutter, Vater, Bruder oder Sohn, viele Stunden abwartend, den Abhängigen zum Teil bewachend, damit er nicht weglaufen kann. Einige mitgekommen Angehörige schliefen tagsüber im Bett des Patienten, um nach durchwachter Nacht selbst etwas Erholung zu finden. Da die Betroffenen zu Beginn eine Erklärung unterschrieben hatten, keinerlei Suchtmittel zu sich zu nehmen, kam es zu Situationen, in denen Mitarbeiter den Patienten Zigaretten abnahmen und diese im Beisein des Betroffenen vernichteten – suchtfrei ohne Hinterausgang, ganz oder gar nicht!

Fast alle harrten aus, haben die Nacht durchgehalten und saßen stundenlang in der Wärme und warteten, in der Hoffnung, dass das Elend endlich zu einem besseren Weg führen möge. Die mitgekommenen Angehörigen begegneten uns trotz oder wegen der persönlichen Not mit herzlicher Dankbarkeit. Wir waren zutiefst berührt und spürten, dass es hier im wahrsten Sinne des Wortes um Leben und Tod ging.

Gespräche mit der Krankenschwester, einem Arzt oder ehrenamtlichen Betreuer, Beistand der Geistlichen, Vorträge zur Sucht und den körperlichen Folgen oder einfach nur der Austausch unter Patienten und den Angehörigen es fügte sich eins zum anderen.

In Uganda ist noch sehr viel Hilfe und Unterstützung nötig und möglich. FORUT und die Guttempler in Deutschland haben mit Hope and Beyond eine Partner-Organisation, die in vielen Bereichen eben auf afrikanische Weise, zum Wohle der Menschen erfolgreich arbeitet.